
„Steht auf für den WAT Fünfhaus!“ Als der „Pflichtheimsieg“ im Kampf gegen den letzten Tabellenplatz am Samstagabend in der Sporthalle Tellgasse in den letzten Spielminuten näherrückte, honorierten die Fünfhauser Handballfans und die Wand des „Red Block“ die Leistung der Mannschaft mit stehenden Ovationen und Sprechchören. Mit dem Rücken zur Wand und dem Wissen „verlieren verboten“ lieferte Koppensteiner WAT Fünfhaus mit viel Nervenstärke und Spielwitz im Abstiegs-Play-Off der HLA CHALLENGE dieses Mal ab. Am Ende stand im Heimspiel gegen den unmittelbaren Konkurrenten Union Sparkasse Korneuburg nach 15:15 zur Pause ein 32:27-Erfolg an der Anzeigentafel. Ausgerechnet mit zwei Mann in Unterzahl bewies die von Ivan Monev und Timo Issing gecoachte Mannschaft in der heikelsten Phase des Spieles Herz und Coolness zugleich. Sie ging in Führung und besiegelte mit einem Lauf mit 6 Toren in Serie bis zur 45. Minute die Niederlage der höchst ambitionierten Gäste.

Um und Auf bei Fünfhaus war dieses Mal Rückkehrer Jakob Jochmann auch als Vollstrecker mit 9 Toren. Außerdem sorgte der starke Dominik Frank in der zweiten Hälfte im Fünfhauer Tor für Rückhalt. Fünfhaus-Vizeobmann Mario Sauschlager brachte die Bedeutung des gelernten Arztes und österreichischen Handballers 2022 mit langen Wurzeln in der Fünfhauser Jugend, „Jaxi“ Jochmann, auf den Punkt: „Unser Doktor für alle Notfälle.“

Ein Feldherr würde warnen: eine enorm wichtige Schlacht ist nach schwieriger Ausgangslage gewonnen , der Kampf um den Verbleib in der 2. Liga aber noch nicht. Koppensteiner WAT Fünfhaus hat zwar mit dem Heimerfolg nun mit 12 Punkten in der Abstiegsrunde zwei Zähler Vorsprung und die Rote Laterne an Korneuburg weitergegeben. Allerdings reicht den Niederösterreichern ein Sieg in den beiden letzten Runden des Abstiegs-Play-Offs, um Fünfhaus erneut ans Tabellenende zu stürzen. Grund dafür ist: die bessere Bilanz im direkten Vergleich spricht bei Punktegleichheit für Korneuburg. Das heißt: am besten sollten im Fünfhauser Auswärtsspiel am Pfingstsamstag, 23. April gegen UHC busta Eggenburg, im Waldviertel und im abschließenden Wiener Derby daheim in der Sporthalle Tellgasse am Samstag, 30. Mai (!! schon ab 16.00 Uhr !!) gegen Handball West Wien ein oder noch besser mehrere Punkte her. Für die Fünfhauser Handball-Fans heißt das umgekehrt: im Derby sollte es wieder in dieser Lautstärke „Steht auf für den WAT Fünfhaus“ durch die Halle dröhnen.

Es war im Vergleich zum verjuxten Auswärtsspiel mit vergebenen Chancen am Fließband gegen Perchtoldsddorf Devils/Jags wie Nacht und Tag. Gegen Korneuburg behielt Koppensteiner WAT Fünfhaus auch in heiklen Phase die Nerven, war spielerisch um mehr als ein Hauseck stärker als in Perchtoldsdorf und nützte vor allem die herausgespielten Möglichkeiten. Dabei war es die ganze erste Halbzeit lang ein offener Schlagabtausch zweier ebenbürtiger Teams mit mehrmals wechselnden Führungen. Bezeichnend für die Einstellung von Koppensteiner WAT Fünfhaus nach dem K.o-Schlag in Perchtoldsdorf waren in der ersten Hälfte zwei Szenen. Fünfhaus-Kapitän Lenny Fetz schleudert mit letztem Willen den Ball mit der Rückhand „ung’schaut“ zum 11:11-Ausgleich zum schieren Entsetzen der Korneuburg-Fans ins Tor. In der Schlussminute kassiert Fünfhaus nur wenige Sekunden vor der Halbzeit das 15:14 durch den besten Korneuburger, Marvin Moser. Aber Jakob Jochmann schnappt sich ein Herz und den Ball vom Mittelkreis weg, pflügt wie früher Slalomstar Marcel Hirscher durch die überrumpelte Korneuburger Defensive und netzt in der Schlusssekunde zum 15:15-Pausenstand ein. Das ist eine Art Moralinjektion.
Nach Wiederbeginn zeigt sich in den ersten Minuten zunächst ein ähnliches Bild wie in den ersten 30 Minuten. Dann aber ist bei Fünfhaus in der 37. Minuten nach zwei gleichzeitigen Zwei-Minuten-Strafen Alarmstufe Rot. Genau da wird die Fünfhauser „Rest-Mannschaft“ zum Mentalitäts-Monster, macht aus einem 19:21 zunächst ein 21:21-Unentschieden und ist danach bis zur vorentscheidenden 25:21-Führung in der 45. Minute nicht zu bremsen. Mann dieser brenzligen Minuten ist insbesondere Fünfhaus-Rückraumspieler Leo Paha, der bei drei Toren in Serie mit letztem Einsatz den Ball sehenswert ins gegnerische Tor jagt und damit zwischenzeitlich einen 23:21-Vorsprung herausholt. Neben dem überragenden Jakob Jochmann tragen allerdings in den folgenden Minuten bei Fünfhaus der häufig manngedeckte und nun vom Flügel in den Rückraum beorderte John Baxter und der quirlige Beni Huber aus dem Rückraum ihren Teil zum Ausbauen der Führung bei.

Fünf Minuten vor dem Ende darf Fünfhaus bei 30:23 sogar kurz mit einem Kantersieg liebäugeln. Dass bei Fünfhaus dann die Konzentration nachlässt und Korneuburg somit trotz Niederlage noch glimpflich davonkommt, ist in der Siegeseuphorie über das verdiente 32:27 freilich nur mehr eine Randnotiz.
Erleichtert war auch Fünfhaus-Co-Trainer Timo Issing: Timo Issing nach der wichtigen Partie: „Es war wirklich kein leichtes Spiel, das heute zu spielen war. Vor allem in der 1. Halbzeit war es ein 90-Prozent-Spiel, vorne im Angriff gut, aber 5 Tore, die nicht hätten sein dürfen. Aber wir sind in der Pause ruhig geblieben und haben im Angriff dann dieses Mal mit in der 2. Halbzeit unsere Möglichkeiten genützt. Und man muss auch sagen, Jakob Jochmann hat uns heute mit seiner Erfahrung zum Sieg geführt.“