
Totgesagte leben länger. Nach 43 Minuten war Koppensteiner WAT Fünfhaus als Tabellenschlusslicht m Heimspiel mit einem 17:23-Rückstand gegen Tabellenführer Sportunion Die Falken St. Pölten praktisch tot. Aber mit einem entfesselten John Baxter aus dem Rückraum, unglaublichen Paraden von Jakov Pavic im Fünfhauser Tor und einem Ruck durch die ganze Mannschaft drehte Fünfhaus die Partie in nur zehn Minuten in eine 25:23-Führung gegen den haushohen Favoriten, behielt dann die Nerven und hielt den anstürmenden Spitzenreiter St. Pölten bis zum sensationellen 29:27-Heimsieg auf Distanz. Schlusslicht Fünfhaus hat den Tabellenführer St. Pölten in einer guten Viertelstunde im Finish entzaubert. Ein ungeheurer Motivationsschub für die beiden letzten Spiele im Grunddurchgang am kommenden Samstag, 14. Februar, auswärts in Leoben und am 24. Februar im Wiener Derby daheim gegen die jungen Fivers.

Bei Koppensteiner WAT Fünfhaus mit Coach Ivan Monev und Co-Trainer Timo Issing auf der Bank kehrt Georg Mayr-Pranzender ausgerechnet gegen Spitzenreiter St. Pölten am frühen Samstagabend in das Team zurück. Und wie: es dauert nur fünf Minuten, bis der quirlige Rückraumspieler durch die Abwehr der Gäste tänzelt und mit einem Doppelschlag Fünfhaus 5:3 in Front bringt. Die Spieler von St. Pölten merken gleich einmal verblüfft, dass es es kein Spaziergang zu einem Favoritensieg gegen den Nachzügler Fünfhaus wird. Das Team um Kapitän Lenny Fetz lässt die ganze erste Hälfte über nicht locker und den St. Pöltnern stets den heißen Atem spüren. Auch wenn die Aktionen bei den Gästen flüssiger werden und Fünfhaus dreimal die Chance verpasst, wieder in Führung zu gehen. Spätestens jetzt ist Fünfhaus-Tormann Jakov Pavic auf Betriebstemperatur. Im Angriff ist es John Baxter, zunächst vom linken Flügel und dann aus dem Rückraum, der hauptsächlich dafür sorgt, dass der favorisierte Gegner aus der niederösterreichischen Landeshauptstadt zur Pause nur mit einer hauchdünnen 14:15-Führung in die Kabine geht.

Rasch nach Wiederbeginn gelingt es zwar Rückraumspieler Berni Huber, mit einem leichtfüßigen Antritt und souveränem Abschluss, Fünfhaus erneut auf 15:17 heranzubringen. Danach ist aber Fünfhaus komplett von der Rolle. Alle? Nein, Jakov Pavic stemmt sich nicht nur Aug in Aug mit einem Gäste-Angreifer und sensationeller Parade einem völligen Kippen des Spiels entgegen. Sonst läuft alles zu Gunsten von St. Pölten: Rot für Mayr-Pranzeneder, zwei Zwei-Minuten-Strafen gegen Fünfhaus. St. Pölten zieht mühelos auf 17:23 davon. Vielleicht sind die Gäste geistig schon auf der Heimfahrt mit einem weiteren Sieg und zwei Punkten im Gepäck, weil sie den Sechs-Tore-Vorsprung gegen das Schlusslicht nur mehr über die Runde bringen müssen?

Jedenfalls sind die Fünfhauser Spieler auf einmal wie ausgewechselt, die ganze Mannschaft bäumt sich beginnend von der kompromisslos-harten Abwehr sichtbar auf. Als dann John Baxter und Berni Huber mit jeweils zwei feinen Toren auf 21:23 verkürzen, kommt wieder Hoffnung und Leben bei Fünfhaus auf. Die Aufholjagd gelingt aber auch, weil bei Fünfhaus Tormann Christoph Weghuber zwischen der 47. und der 53. Minuten dreimal in Serie bei Siebenmeterwürfen der Gäste ins Tor geht und alle drei Mal mit famosen Reflexen halten kann.

Nun ist es endgültig ein Handball-Thriller. Fünfhaus-Kreisläufer Goran Vuksa kann mit letztem Einsatz zweimal in Folge einnetzen. Der nun ebenfalls ins Spiel kommende Bence Stab donnert den Ball aus fast schon unmöglicher Schräglage noch ins Eck des Gästetores.. Und dazu knallt Fünfhaus-Rückraumspieler John Baxter ein ums andere Mal nach dynamischen Antritten los. Er erzielt am Ende insgesamt unfassbare 15 Treffer und bringt Fünfhaus gegen die entgeisterten St Pöltner, denen zehn Minuten kein einziges Tor gelingt, 25:23 in Front. Und das nach 17:23. Man muss sich die Augen zweimal reiben, um zu realisieren, dass für Fünfhaus acht Minuten vor dem Ende ein Sensationssieg zum Greifen ist.
Aber jetzt bäumt sich der Tabellenführer nochmals und sitzt Fünfhaus in der 57. Minute nach einem Treffer eines ihrer besten Spieler, Rückraummann Jan Neumaier, mit 27:26 wieder fett im Nacken. Es ist Elias Kropf, der als rechter Flügel bei einem Gegenstoß die Nerven behält und mit seinem wichtigen zweiten Treffer zum 28:26 die Weichen endgültig in Richtung Überraschungserfolg stellt. Das 27. Tor für St. Pölten 23 Sekunden vor Schluss bringt zwar im Finish erneut Hektik. Aber der beste Mann des Abends, John Baxter, lässt zwei Sekunden vor Schluss die Fünfhauser Fans über den 29:27-Sieg in einem verrückten Match jubeln.
Da konnte dann auch Timo Issing, Co-Trainer von Koppensteiner WAT Fünfhaus, endlich einmal erleichtert durchatmen: „Wahnsinnsspiel. Ich bin so oft dagestanden und habe gesagt, so nah dran und wir schaffen es nicht, das über die Runden zu bringen. Heute war es eine super Vorstellung mit allen Elementen, die es braucht, kämpferisch und spielerisch. Geiles Gefühl.“